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Prinzengarde Olfen von 1949

Auch für den KITT gab es in seiner mehr als 160-jährigen Geschichte zahlreiche Neuerungen. Eine solche Neuerung, die das Bild des Olfener Karnevals bis heute mit prägt, war die Gründung der Olfener Prinzengarde.

Hierzu wollen wir folgende Geschichte erzählen:

So um den 18. Dezember 1948 sassen etliche Gäste in der "Wirtschaft Bernhard Bußmann", wie könnte es auch anders sein, um den alten Ofen, der mitten im Gastraum stand, und unterhielten sich. "Olle Bänd" Bußmann tauschte mit einem Gast lebhaft Erinnerungen an die Soldatenzeit aus.

Plötzlich rief er -die Schlägermütze zurechtrückend und die Hose über den Bauch ziehend- zu Josef Mahlkemper und Willi Wessel herüber: "Häört es, iht Schlemikels, wanner is Faslaumt! Stellt es wat up, makt es ne Prinzengarde! Maximau, men dran!" Die Angesprochenen -mittlerweile hatte sich auch Willi Bußmann zu ihnen gesellt- waren zunächst überrascht, schauten sich dann lange an und nickten sich schließlich zu: Die Prinzengarde war geboren!

So einfach sich die Gründung durch diesen Ausspruch auch darstellte, tauchten ziemlich schnell die ersten Probleme auf. Welche Aufgabe sollte die Prinzengarde eigentlich übernehmen? Wer war zu dieser Zeit überhaupt bereit, mitzumarschieren? Woher sollte man Uniformen nehmen? Wie würde der Vorstand des KITT auf die Gründung einer Prinzengarde reagieren?

Die Aufgabe der Garde war ziemlich schnell umrissen: Sie sollte den Prinzen unterstützen, ihn bei seinen Umzügen begleiten und diese Umzüge durch ihr buntes Bild beleben. Die Bedenken, nicht genügend begeisterte junge Männer für die Garde gewinnen zu können, erwiesen sich als völlig unbegründet: Schon in kürzester Zeit waren durch viele Einzelgespräche noch weitere 21 Gardisten gewonnen, und jede weitere Bewerbung mußte abgelehnt werden.

Die Uniformen waren kurz nach dem Krieg ein besonderes Problem, da es weder eine Uniformschneiderei noch einen Uniformverleih gab. Doch Schneidermeister Bernhard Börger wußte Rat: "Stiefel und weiße Schützenhose besorgt sich jeder selbst, blaue Arbeitsjacken werden gemeinsam beschafft. Die werden dann auf Taille gearbeitet und an Kragen und Manschetten mit rotem Stoff besetzt." Aber wer sollte diese Arbeit in solch kurzer Zeit noch bewältigen? Börgers Anwort: "Icke, und euch kostet das keinen Pfennig!" Auch die Kopfbedeckungen durften nicht fehlen. Willi Bußmann, August Schlierkamp und Hubert Hagen "zauberten" hohe bunte Papphelme mit Kokarde und Sturmriemen. Die Materialien dazu wurden von Olfener Firmen freundlicherweise kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Gesamtkosten der Uniformen beliefen sich auf 289,48 DM. Eine Standarte wurde ebenfalls aus Kostengründen aus Sperrholz gefertigt.

Der Vorstand des KITT stand der neu gegründeten Prinzengarde sehr skeptisch gegenüber, da er befürchtete, die Garde wolle einen "Verein im Verein" bilden. Es bedurfte etlicher Gespräche und Verhandlungen, um den Vorstand davon zu überzeugen, dass seine Befürchtungen grundlos waren. Diese nicht leichte Aufgabe wurde vom Adjutanten Josef Mahlkemper mit Bravour gelöst.

Trotz dieser Widrigkeiten war die Teilnahme der Prinzengarde, mit Gesang und Tanz, am Karnevalsumzug 1949 ein voller Erfolg. Das die Garde gut angekommen war, zeigte sich schon im nächsten Jahr, denn es gehörten ihr nun 42 Gardisten an. Eine Stärke, die auch in den nächsten Jahren gehalten werden konnte. Bereits in diesem Jahr wurden die Papphelme gegen Stoffmützen ausgetauscht. Sie hatten im Jahr zuvor doch arg gelitten.

Standen im Gründungsjahr noch materielle Dinge im Vordergrund, widmete man sich 1950 der entscheidenden Frage: "Was ist eine Garde ohne Funkenmariechen?"

Mit Mechtild Niewind war das erste Funkenmariechen schnell gefunden. Diese Neuerung wurde von der Öffentlichkeit begeistert aufgenommen. Im Jahre 1950 erhielt die Prinzengarde auch ein eigenes Marschlied, welches durch Alois und Wilhelm Holtmann getextet und komponiert wurde.

Die Garde stand nunmehr auch finanziell auf so soliden Füssen, dass sie im Jahre 1954 beschloss, eine neue Standarte anfertigen zu lassen. Das Material war nun nicht mehr Sperrholz, sondern schwere Atlasseide mit Seiden- und Metallstickereien. Der Preis betrug inklusive Tragestange 350,- DM. Diese Standarte wird auch heute noch der Prinzengarde vorangetragen und in Ehren gehalten.

Auch die Uniformen hatten im Laufe der Jahre durch Witterung und Abnutzung so stark gelitten, daß sie gegen neue Gardeuniformen ausgetauscht werden mußten. So präsentierte sich die Prinzengarde zu Karneval 1957 in neuen Uniformen, die wiederum von Schneidermeister Bernhard Börger angefertigt wurden. In diesem Jahr starb der Gründer der Prinzengarde, Bernhard Bußmann, der seit 1949 nicht nur Gardewirt, sondern auch guter Geist und väterlicher Freund der Gardisten gewesen war. Sein Sohn Willi übernahm seine "Funktionen", die er mit beispiellosem Einsatz und Idealismus bis zu seinem plötzlichen Tod im Jahre 1978 ausfüllte.

In den Jahren 1953 bis 1968 wechselten Kommandeure und Adjutanten fast jährlich. Als Amtsinhaber seien hier Alfons Schulte, Albert Horstmann, Josef Pieper, Josef Beckmann, Hermann Dagge, Adolf Wilming, Alfred Witte, Josef Elbers, Karl Witte, Heinz Baumeister, Anton Bünder, Josef Wilms, Heinz Eichner, Gerd Kobza und Herbert Pieper genannt.

Im Jahr 1968 waren die Uniformen mittlerweile 10 Jahre alt und stark abgenutzt. Aus Kostengründen wurden zunächst keine neuen Uniformen angeschafft, sondern es wurden für die Karnevalstage Uniformen bei einem Kostümverleih bestellt. Im gleichen Jahr wurden Franz-Josef Bruns zum Kommandeur und Walter Naber zum Adjutanten gewählt. Aufgrund ihres gezeigten Einsatzes für die Prinzengarde wurden sie bis zum Jahre 1978 in ihren Ämtern bestätigt.

Schon im ersten Jahr unter der Führung von Franz-Josef Bruns und Walter Naber zeigte die Garde, dass sie nicht nur zu feiern verstand, sondern sich auch für soziale Belange engagieren konnte. In den Jahren 1968 und 1969 veranstaltete sie zwei Fußballspiele gegen die Freiwillige Feuerwehr Olfen, deren Reinerlös von weit über 1.000,- DM der "Aktion Sorgenkind" gespendet wurde. Höhepunkt war hier sicherlich auch der Zielabsprung zweier Fallschirmspringer anlässlich des Spiels 1969.

Zum 20-jährigen Gardejubiläum im Jahre 1969 wurde erstmals ein Prunkwagen durch die Prinzengarde gebaut. Das Schmücken des Prunkwagens übernahmen hier die Gardefrauen in wochenlanger Kleinarbeit.

Als der Ortsverein des DRK eine Altenbegegnungsstätte einrichten wollte, war es für die Prinzengarde eine Selbstverständlichkeit, dieses Vorhaben tatkräftig zu unterstützen. 1971 wurde zu diesem Zweck ein Fußballspiel zwischen der Prominentenmannschaft des WDR und einer Olfener Auswahl organisiert. Zum Team des WDR gehörten so bekannte Männer wie Hans Jörg Felmy, Ernst Huberty, Berni Klodt sowie Frank Baruwski am Mikrofon. Das Olfener Aufgebot lautete: Franz-Josef Bruns, Theo Dahlmann, Josef Elbers, Heinz Eichner, Horst Feldhege, Vitus Frye, Heinz Hölscher, Ewald Heitkamp, Franz-Josef Kampmann, Albert Knümann, Willi Kablitz, Paul Leersch, Wilhelm Merten, Peter Nies, Bernhard Oeding-Erdel, Bernhard Prott, Heinz Voß, Hans Wendel, Werner Wistuba, Karl Witte, Willi Zustraßen, Albert Wilming und Willibald Behr.

Auch in den Jahren 1972 und 1973 wurde jeweils eine Großveranstaltung für die Einrichtung einer Altenbegegnungsstätte organisiert. Sie standen unter dem Motto "Spiel-Sport-Spannung" und wurden ebenfalls ein grosser Erfolg, so dass dem Ortverein des DRK aus den drei Veranstaltungen ein Reinerlös von über 3.500,- DM zur Verfügung gestellt werden konnte.

Auch das 25-jährige Bestehen der Prinzengarde im Jahre 1974 wurde natürlich wieder gebührend gefeiert. Sie nahm mit einem noch aufwendiger gestalteten Prunkwagen am Nelkendiestagsumzug teil und präsentierte sich in diesem Jahr in einer schmucken Husarenuniform.

Als 1978 Kommandeur und Adjutant ihren Posten niederlegten, um die Führung der Garde in jüngere Hände zu übergeben, wurde Bernhard Bußmann, der Enkel des Gardegründers, zum Kommandeur gewählt. Im ersten Jahr stand ihm noch der zurückgetretene Kommandeur Franz-Josef Bruns mit Rat und Tat als Adjutant zur Verfügung. Zur weiteren Verjüngung der Garde übernahm Willi Pohlmann im Jahre 1980 das Amt des Adjutanten. Den Ex-Gardisten Franz-Josef Bruns und Walter Naber sei ein dieser Stelle für ihre langjährige engagierte Arbeit besonders gedankt.

Zum 30-jährigen Bestehen im Jahre 1979 ließen sich die Gardisten etwas Besonderes einfallen. Alle ehemaligen Funkenmariechen wurden zum Prinzenball ins Festzelt eingeladen. Dieser Einladung folgten 23 "Ehemalige" und verlebten einen fröhlichen Abend, an dem so manche Begebenheit aus dem Gardeleben wieder aufgefrischt wurde.

Nachdem lange Jahre die Gardeuniformen ausgeliehen wurden, erfüllte sich die Garde einen Wunsch, der lange Zeit nicht zu realisieren war. Zu Karneval 1983 präsentierte sie sich in neuen Uniformen, die auch heute noch Eigentum der Prinzengarde sind und weiterhin mit Sorgfalt behandelt werden. Die Hälfte der Kosten trug die Prinzengarde selbst, der Rest wurde durch grosszügige Spenden des KITT, der beiden Olfener Banken und von Einzelpersonen aufgebracht. Betrugen 1949 die Kosten für die Uniformen noch insgesamt 289, 40 DM, so waren für die Neuaustattung 410 DM je Uniform aufzubringen. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 12.100 DM.

Im Jahre 1985 übernahm Hermann Baak das Amt des Adjutanten, der Willi Pohlmann ablöste. Nach einem "kurzen Gastspiel" als Johann im Jahre 1988 stellte sich Willi Pohlmann im Jahre 1989 wieder voll in den Dienst der Garde. In diesem Jahr löste er Bernhard Bußmann als Kommandeur der Prinzengarde ab. Bernhards Engagement bei den Leichtathleten des SuS Olfen war Grund für diesen Führungswechsel. Für seine langjährige aktive Tätigkeit für die Prinzengarde sprechen wir Bernhard Bußmann an dieser Stelle einen besonderen Dank aus. Seit Gründung der Prinzengarde ist der Name Bußmann Garant für das gute Auftreten der Prinzengarde im Olfener Karneval.

Im Jahre 1991 erfolgte dann die Ablösung von Hermann Baak durch Wolfgang Trogemann im Amt des Adjutanten. Willi Pohlmann und Wolfgang Trogemann prägen auch heute noch das Bild der Führungsspitze der Olfener Prinzengarde.

Besonders zu erwähnen ist auch das 40-jährige Jubiläum der Prinzengarde im Jahre 1989. Zu diesem Jubiläum wurden alle ehemaligen Gardisten und Funkenmariechen eingeladen. Zum Festball erschienen 80 % der eingeladenen "Ehemaligen" und liessen einen Hauch von Nostalgie aufkommen. Der Saal im "Alten Kaiserhof" war bis auf den letzten Platz gefüllt und zum Gelingen des Abends trug nicht zu letzt ein gemeinsamer Auftritt einiger Gardisten mit den blauen Kittfunken bei. Ein weiteres High - Light war der Auftritt von acht ehemaligen Gardisten aus dem Gründungsjahr 1949 mit dem Karnevalsschlager "Wir sind nicht klein zu kriegen".

Die Schließung des Gründerlokales "Zum Domhof" im Jahre 1991 führte zwangsläufig zu einem Wechsel des Gardehauptquartiers. Mit der Hansa-Insel-Leismann, mit "Ria" Leismann als Gardewirtin war schnell Ersatz gefunden. Bei "Ria" findet die Garde auch heute noch liebevolle Aufnahme.

Ein fester Bestandteil des Gardelebens ist der Ausmarsch der Prinzengarde in der "karnevalslosen Zeit". Im Jahre 1987 führte dieser Ausmarsch die Garde zum Jakobsbrunnen nach Selm. Beim dort durchgeführten Schützenfest eroberte sich Günter Most den Thron des Vogelkönigs. Bei den anschließenden Feierlichkeiten war jedoch eindeutig das Fehlen der Königin und Ehrendamen festzustellen. Abhilfe wurde jedoch schnell auf einer im Jakobsbrunnen befindlichen Hochzeitsgesellschaft gefunden. Kurzerhand stellten sich auf Anfrage der Prinzengarde drei Frauen als Königin und Ehrendamen zur Verfügung und feierten gemeinsam mit der Garde einen rauschenden Königsball.

Auch der mittlerweile schon traditionelle "Tanz in den Mai" ist aus den Aktivitäten der Prinzengarde seit 1979 nicht mehr wegzudenken. Nachdem dieser in den ersten Jahren in den Räumen des verdienten Gardisten Franz-Josef "Minna" Bruns stattfand, wird er nunmehr alljährlich in dem Räumlichkeiten des Gardisten Will Krursel abgehalten. Ebenfalls Tradition ist hier das Pflanzen eines Maibaumes durch das amtierende Funkenmariechen.

Ebenfalls seit 1979 nehmen die Gardefrauen in jedem Jahr am Olfener Nelkendiestagsumzug teil Hierzu werden in jedem Jahr in mühevoller Kleinarbeit phantasievolle Kostüme gefertigt. Ob als Toilette oder Igel, der Einfallsreichtum der Gardefrauen kennt hier keine Grenzen.

Alljährlich, kurz vor den "Tollen Tagen", stattet seine Tollität mit seinem Gefolge der Prinzengarde im Gardehauptquartier einen Besuch ab.  Hierbei gibt es immer ein sehr amüsantes Programm, dass von einzelnen Gardisten vorgetragen wird. Jeder der an schon mal an so einem Abend zu Gast sein durfte, hat am andern Tag viel zu erzählen und möchte immer wieder kommen. Diese Abende bleiben Gardisten, Funkenmariechen, KITT- Vorstand und dem Prinzen mit Gefolge stets in angenehmer Erinnerung.

Die aktive Unterstützung des Muttervereins KITT durch die Prinzengarde wird auch durch das regelmässige Stellen des Prinz Karneval aus den Reihen der Prinzengarde deutlich. Aus der Prinzengarde gingen in den vergangenen 50 Jahren nicht weniger als 15 Prinzen hervor. In diesen 50 Jahren fungierten 8 Gardisten als Johann im Olfener KITT.

Die Zeit hinterliess auch bei der Garde ihre Spuren und so wurde seit Beginn der 90'er Jahre durch Neuaufnahmen eine radikale Verjüngung durchgeführt. Heute steht dem Olfener Karneval eine junge dynamische Truppe mit der satzungsgemässen Obergrenze von 33 Gardisten zur Verfügung. Seit nun mehr als 3 Jahren führt Sascha Eckmann die Garde als Kommandant an und wird dabei von seinem Adjutanten Mario Krämer tatkräftig unterstützt. Im Hintergrund arbeitet immer noch der Ex- Kommandant Willi Pohlmann mit.